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Schwangerschaft

Wehen zählen: der Abstand, der zählt

· 4 Min. Lesezeit

Übungswehen, Senkwehen, echte Wehen: Was sie unterscheidet, wie du Abstand und Dauer richtig misst, und die Regel, nach der Kliniken dich bitten anzurufen.

Zwei Hände formen ein Herz auf einem schwangeren Bauch
Foto: Suhyeon Choi, StockSnap (CC0)

Der Bauch wird hart, bleibt es eine Weile, wird wieder weich. War das eine Wehe? Und wenn ja, welche? Die Frage stellt sich in den letzten Wochen jeden Tag, und die Antwort entscheidet, ob du weiterschläfst, die Tasche packst oder ins Auto steigst. Hier steht, was die verschiedenen Wehen unterscheidet, wie du sie misst, und ab wann du anrufst.

Drei Arten von Wehen

Die Gebärmutter ist ein Muskel, und sie übt schon lange vor der Geburt. Das fühlt sich zu verschiedenen Zeiten verschieden an.

Übungswehen gibt es ab der Mitte der Schwangerschaft, manche spüren sie ab der 20. Woche, viele erst ab der 30. Der Bauch wird für zwanzig bis sechzig Sekunden hart, dann entspannt er sich. Sie sind unregelmäßig, bleiben schwach, tun nicht weh und verschwinden, wenn du die Position wechselst, ein Glas Wasser trinkst oder ein warmes Bad nimmst. Sie kommen oft abends, nach Anstrengung oder wenn die Blase voll ist.

Senkwehen kommen in den letzten drei bis vier Wochen. Sie schieben das Kind tiefer ins Becken. Man spürt sie als Ziehen nach unten, ähnlich wie Regelschmerzen, manchmal auch im Rücken. Danach ist das Atmen leichter, weil der Druck aufs Zwerchfell nachlässt, und der Gang zur Toilette häufiger, weil der Druck auf die Blase zunimmt. Auch sie sind unregelmäßig und werden nicht stärker.

Geburtswehen sind anders, und zwar in drei Punkten: Sie kommen regelmäßig, sie werden stärker, und sie hören nicht auf, egal was du tust. Anfangs vielleicht alle fünfzehn oder zwanzig Minuten, dann alle zehn, dann alle fünf. Jede einzelne dauert länger als die vorherige, und der Schmerz wandert oft vom Rücken nach vorne oder umgekehrt. Während einer echten Wehe kannst du nicht mehr nebenbei reden.

Der Unterschied liegt nicht in der Stärke einer einzelnen Wehe, sondern im Verlauf über eine Stunde. Deshalb wird gezählt.

Was du misst

Zwei Zahlen und eine Beobachtung.

Die Dauer ist die Zeit vom Anfang bis zum Ende einer Wehe: vom Moment, in dem der Bauch hart wird, bis er wieder weich ist. Übungswehen dauern meist unter einer Minute. Geburtswehen beginnen bei dreißig bis vierzig Sekunden und werden im Laufe der Stunden länger, bis sie eine Minute oder mehr dauern.

Der Abstand ist die Zeit vom Anfang einer Wehe bis zum Anfang der nächsten. Nicht vom Ende bis zum Anfang. Das ist der häufigste Fehler beim Zählen zu Hause, und er macht einen echten Unterschied: Bei einer Minute Dauer und vier Minuten Pause ist der Abstand fünf Minuten, nicht vier. Im Kreißsaal wird von Anfang zu Anfang gerechnet, also rechne zu Hause genauso.

Die Regelmäßigkeit ist die Beobachtung: Bleibt der Abstand über eine Stunde ungefähr gleich oder wird kürzer? Übungswehen kommen mal nach acht, mal nach zwanzig, mal nach drei Minuten. Geburtswehen halten ihren Takt.

Die Regel, nach der Kliniken fragen

Die meisten Kliniken und Hebammen nennen eine ähnliche Faustregel: Ruf an, wenn die Wehen etwa alle fünf Minuten kommen, jede etwa eine Minute dauert, und das seit einer Stunde so geht.

Die Regel hat Ausnahmen, und die solltest du vorher mit deiner Hebamme besprechen:

  • Beim zweiten oder dritten Kind geht es oft schneller. Viele Kliniken sagen dann: schon bei sieben bis zehn Minuten Abstand losfahren.
  • Bei einem langen Weg zur Klinik ebenfalls früher.
  • Bei einer geplanten Hausgeburt oder Geburtshausgeburt gelten die Absprachen mit deiner Hebamme, nicht die Regel.
  • Bei einem Kaiserschnitt in der Vorgeschichte oder anderen Besonderheiten kann die Klinik ausdrücklich bitten, früher zu kommen.

Und die Regel gilt für die Zahlen. Es gibt Gründe, sofort loszufahren, egal was die Uhr sagt.

Sofort los, unabhängig von der Uhr

  • Die Fruchtblase ist geplatzt, auch ohne Wehen. Besonders, wenn das Wasser grünlich oder bräunlich ist.
  • Blutungen, die mehr sind als der leicht blutige Schleim beim Abgang des Schleimpfropfs.
  • Wehen vor der abgeschlossenen 37. Woche.
  • Du spürst dein Kind deutlich weniger als sonst.
  • Starke, anhaltende Schmerzen, die nicht wehenartig kommen und gehen.
  • Starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, plötzliche Schwellungen im Gesicht.
  • Dir ist etwas nicht geheuer. Das reicht als Grund.

Im Zweifel ist ein Anruf immer richtig. Die Menschen im Kreißsaal hören sich das an, fragen nach, und sagen dir, ob du kommen sollst. Dafür sind sie da, auch um drei Uhr nachts.

Zählen ohne Stress

Nicht jede harte Phase des Bauches muss gemessen werden. Wenn abends ein paar Übungswehen kommen, beobachte sie, wechsle die Position, trink etwas. Verschwinden sie, war es das.

Fang mit dem Messen an, wenn die Wehen sich regelmäßig anfühlen oder stärker werden. Dann brauchst du eine Stunde mit Zeiten. Auf Papier geht das: Anfang, Ende, Anfang, Ende. Praktischer ist etwas, das für dich rechnet, weil du in einer Wehe nicht subtrahieren willst. In Lunabia gibt es dafür den Wehenzähler: Antippen bei Beginn, Antippen am Ende, die App rechnet Abstand von Anfang zu Anfang und Dauer, zeigt die letzte Stunde und sagt, wenn die Regel erfüllt ist. Wer das Telefon bedient, kann auch dein Partner sein, während du dich um die Wehe kümmerst.

Zwischen den Wehen: bewegen, wenn es geht, trinken, etwas Kleines essen, zur Toilette gehen. Eine leere Blase macht den Wehen Platz. Und wenn es nachts anfängt und der Abstand noch groß ist, versuch zu schlafen. Die Wehen wecken dich schon, wenn es so weit ist.

Häufige Fragen

Wie zählt man Wehen richtig?

Der Abstand wird vom Anfang einer Wehe bis zum Anfang der nächsten gemessen, die Dauer vom Anfang bis zum Ende einer Wehe. Beides über mindestens eine Stunde beobachten, denn erst der Verlauf zeigt, ob es Geburtswehen sind.

Wann muss ich bei Wehen in die Klinik?

Die übliche Faustregel: alle fünf Minuten, je etwa eine Minute lang, seit einer Stunde. Beim zweiten Kind, langem Anfahrtsweg oder auf Anweisung der Klinik früher. Bei Blasensprung, Blutungen oder weniger Kindsbewegungen sofort, unabhängig von den Zahlen.

Wie erkenne ich Übungswehen von echten Wehen?

Übungswehen sind unregelmäßig, bleiben schwach und verschwinden bei Positionswechsel, Trinken oder einem warmen Bad. Echte Wehen kommen regelmäßig, werden stärker und länger, und hören nicht auf, egal was du tust.

Was tun, wenn die Wehen nachts anfangen?

Wenn der Abstand noch groß ist und du dazwischen liegen kannst: versuch zu schlafen oder wenigstens zu ruhen. Die Geburt kann lange dauern, und du brauchst die Kraft. Fang mit dem Messen an, wenn die Wehen dich regelmäßig wecken.

Dieser Text ersetzt keinen Besuch bei deiner Ärztin oder Hebamme. Bei Beschwerden, Schmerzen oder Sorgen wende dich an sie, auch nachts.

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